Solidarität ohne Grenzen

Naja, und dann gab es irgendwann im letzten Jahr die Entscheidung nicht immer nur drüber zu reden und aus der Distanz empört zu sein – sondern selbst hin zu fahren.

Und so war ich am Jahresanfang auf Lesbos und hab dort in verschiedenen Projekten gearbeitet:

im Bashira Women Center – einem Schutztraum für geflüchtete Frauen - habe ich Englisch unterrichtet und Sportangebote organisiert und durchgeführt. Mehrmals pro Woche gab es abwechselnd Fußball, Basketball, Laufen oder Pilates- an wechselnden Spots in Mytilene - als optionales Angebot für alle Besucherinnen des Zentrums. Sport um sich auszupowern, Sport um den Kopf auszuschalten, Sport als Begegnungsort, Sport um neue Fähigkeiten kennen zu lernen...oder einfach nur um Spaß zu haben.


 

Bei No Border Kitchen war ich regelmäßig bei der täglichen Essenausgabe für ca.200 Personen , sowie deren Vor und Nachbereitung beteiligt und bei CampFire haben wir nachts „gespottet“ - sprich auf dem Meer die Aktionen der Küstenwache beobachtet und dokumentiert, geschaut ob Boote mit Refugees aus der Türkei (an)kommen und - wenn das der Fall war - diese bei ihrer Ankunft unterstützt. 


 

Die Zeit war unheimlich bewegend und intensiv. Unglaublich welch eine humanitäre Katastrophe sich dort abspielt.

Seit meiner Rückkehr nach Deutschland ist viel passiert auf Lesbos – die Situation ist zuerst durch gewalttätige rechte Gruppierungen, dann durch Corona und den Lockdown noch schlimmer geworden: es gab diverse gewalttätige Übergriffe auf Geflüchtete und NGO Mitarbeiter*innen, NGOs konnten nicht mehr arbeiten, Freiwillige haben die Insel verlassen, das Grundrecht auf Asyl wurde für einen Monat ausgesetzt, die für die Asylanträge zuständigen Behörden haben ihre Arbeit wegen Corona vorübergehend eingestellt. Das Camp Moria wurde sukzessive abgeriegelt und die dort lebenden Menschen dürfen dieses nach wie vor nicht verlassen – müssen dort zu über 20000 auf engem Raum unter katastrophalen Bedingungen und ohne das Minimum hygienischer Standards leben. Die Gefahr eines Corona Ausbruchs verschärft diese Lebensbedingungen noch enorm!

Gemeinsam mit anderen Menschen versuche ich Projekte und Menschen vor Ort zu unterstützen – so gut das in times of Corona eben geht. So ist Solidarität ohne Grenzen enstanden - eine Leipziger Gruppe von politisch aktiven Menschen, die zum Teil selbst auf Lesbos direkte Hilfe geleistet haben.

Wir wollen auf die katastrophale Situation an den EU-Außengrenzen aufmerksam machen und stehen für: „Diese Politik ist nicht unsere!“ – „Die Lager müssen jetzt evakuiert werden!“ und „Wir haben genug Platz dafür!“ Wir haben verschiedene Aktionen (Spendenmail, digitale Solikonzertreihe) ins Leben gerufen, um Spenden zu sammeln. Das Geld geht direkt an NGOs und Projekte auf Lesbos und dem Balkan. 

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Solidarität ohne Grenzen

Ein Auszug aus einer der Mails der Initiative:

Mit dem Hashtag #stayhome appellieren Menschen weltweit an ihre Mitmenschen zuhause zu bleiben und rufen zu „Sozialer Distanzierung" auf. In Italien sind bei einem Spendenaufruf im Zuge der Coronakrise innerhalb von wenigen Stunden Millionensummen zusammengekommen. Es entstehen solidarische Nachbarschaftshilfen für Menschen aus den Risikogruppen und wir sehen eine Welle der Solidarisierung und Wertschätzung von Krankenhauspersonal und anderen Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. 

Das ist eine tolle Entwicklung. Doch manche Menschen können nicht zuhause bleiben. Manche Menschen können keine soziale Distanz waren. Manche Menschen können sich nicht einmal mit Seife die Hände waschen. Das sind die Menschen, die zu 20.000 in den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln, an der Grenze oder irgendwo auf dem Balkan festsitzen. Während sich in Deutschland Menschen nur noch zu zweit draußen treffen dürfen, wohnen die Geflüchteten in dem Lager Moria auf Lesbos dicht gedrängt zu Vielen unter Planen und in Zelten, um auf Toilette zu gehen müssen sie in endlosen Schlangen anstehen, Seife steht nicht zu Verfügung. Ärzte ohne Grenzen warnen in einem Bericht der Zeit eindringlich vor der Schutzlosigkeit, mit der die Menschen in den Camps einem Ausbruch der Pandemie ausgeliefert wären. Viele sind geschwächt, von dem Winter in Zelten, Atemwegserkrankungen sind verbreitet. Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen vor Ort, die das Elend täglich sehen fordern die sofortige Evakuierung.

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