Black lives matter

 

Laut Tupoka Ogette, Autorin von „Exit racism“ und erfahrene Anti-Rassismus Trainerin, braucht es in einem Workshop, mindestens eine 6-stündige Auseinandersetzung, um eine nachhaltige Sensibilisierung bezüglich Rassismus zu erzeugen. 

Ich hoffe ihr habt Zeit mitgebracht…setzt euch, aber …Vielleicht kriege ich es etwas kürzer hin 

 

Das Schöne an einer Demo finde ich, die Existenz von diesem kurzen Gefühl, doch nicht alleine zu sein. Es ist wirklich großartig wie viele Leute heute hier hingekommen sind, um sich, trotz viel befürchteter Corona-Ansteckungsmöglichkeit, mit so ‘n komischem Tuch vorm Mund, am freien Samstagnachmittag auf dem Bahnhofsvorpatz zu stellen.

Da fühlst du dich ganz kurz, als bist du doch nicht alleine. Denn das ist es was alltäglichen Rassismus erzeugt: ein permanent auftauchendes Gefühl der machtlosen Einsamkeit

Egal, 

ob der Blick vom Security im Laden. 

der Douanier, der dich wieder rauswinkt, 

die Dame, die ihre Handtasche in Sicherheit bringt, 

der Typ, der hungrig vom Demonstrieren mal schnell noch „zu seinem Türken“ geht, … 

die Nationalspielerin, die behauptet in ihrem Job keine Erfahrungen mit Rassismus zu machen und im gleichen Satz erwähnt, dass sie von ihre. Mitspielerinnen Schoki genannt wurde, … 

die Freundin, die möchte, dass du Afrikanisch für sie kochst, 

das ganze Team, mit „hate racism“ auf dem Ärmel, das still schweigt, wenn der gegnerische Trainer auf dich zeigt und sagt, so einer würde ihm noch fehlen, schwarz bringt Glück 

die ganze Tanzschule, die grenzüberschreitendes touchy Verhalten vom Trainer hinnimmt, weil schwarze Männer nun einmal so sind, 

die Kollegin, die einen Anderen mit der Frage „bin ich denn dein Nigger“ zitiert, 

die Mitspielerin, die es oh so witzig findet, dass gerade du dem farbigen Team zugeordnet wurdest 

die Freundin, die meint, dass ihr das Tanzen im Blut habt, oder das Basketball spielen, … 

der Kommilitone, der fragt, ob du eine Schwarze Stimme hast, 

der Kollegin, die in ihrem Vortrag vor dem versammelten Amt sich einen Lacher holt, mit der Äußerung, „fahrendes Volk, macht uns das Froh, nein!“ 

der Kollege, der dir erzählt, dass das du so laut wirst, wenn du sauer bist, hat bestimmt was mit deinem kulturellen Hintergrund zu tun, 

die Dame vom Casting- Büro, die dir erzählt, dass du leider nur für ganz spezielle Rollen zu besetzen bist, 

die verstörende Werbung, die dir aus dem Schaufenster entgegenblickt, wenn du auf deinem Spaziergang über dem Wehlheidermarkt beim dort ansässigen Backer reinschaust. darauf einen Schokokuss mit einem Gesicht und Händen, und dem wahrscheinlichen Namen, Mohri als Werbung für seine so genannte Mohrenkopf Manufaktur, 

die Polizei, die dich rauswinkt, weil du angeblich zu schnell gefahren bist, und du weißt, du bist punktgenau gefahren, weil du weißt, wie die auf dich reagieren… 

Diese Situationen, mit manchmal fast ungreifbaren Micro-Aggressionen, erzeugen machtlose Einsamkeit. Wieder und wieder und wieder. Wann hört es endlich auf? …. 

Wie viele Demos, wie viel Stunden Workshops braucht es noch? 

Nein, ich bin der Meinung, dass es keine Stunden braucht. Es braucht nur eine Sekunde. Die entscheidende Sekunde, in der wir entscheiden: Es hört jetzt auf. 

Wir wollen nicht mehr dieses langüberholte Quatsch Konstrukt auf dem Rassismus basiert und infolge dessen, heute immer noch getrennt wird zwischen einem vermeintlichen wir und denen, und davon über unser Leben bestimmen lassen. Es soll aufhören. Jetzt! 

Jede kann einen ersten Schritt machen, heute hier, möchte ich euch anregen, einen bestimmten Schritt gemeinsam zu machen. Ich fände es schön, wenn möglichst viele von Euch am Montag im Internet mal nach dem (vorher erwähnten) Bäcker aus Bad Emstal suchen. Noch mehr würde ich mich freuen, wenn dann am Montag viele Anrufe bei ihm eingehen würden, dass diese rassistische Werbung auf unserem Wehlheiderplatz nichts zu suchen hat. Vielleicht wirkt es, und wenn ich ein nächstes Mal wieder über den Markt gehe, und ich sehe, dass das Plakat verschwunden ist, dann fühle ich mich für einen Moment nicht mehr so alleine… Dann wäre mein Leben für einen Moment, als stände ich wieder hier, an einem Samstagmittag, mit Euch auf dem Vorplatz vom Kasseler Hauptbahnhof. 

 

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